
Die Landtagswahl vom 6. September 2026 hat die politischen Kräfteverhältnisse in Sachsen-Anhalt deutlich verändert. Für den Bund der Selbständigen Sachsen-Anhalt ist dabei besonders interessant, wie die Gruppe der Selbstständigen gewählt hat – und welche Fragen sich daraus für die künftige Wirtschafts- und Mittelstandspolitik ergeben.
Mit einer Wahlbeteiligung von 77,8 Prozent haben sich zugleich deutlich mehr Bürgerinnen und Bürger aktiv an der politischen Willensbildung beteiligt. Das unterstreicht die hohe Bedeutung, die viele Menschen der weiteren Entwicklung Sachsen-Anhalts beimessen.
Der BDS ist ein freier und politisch unabhängiger Wirtschaftsverband. Deshalb geht es bei dieser Betrachtung ausdrücklich nicht darum, einzelne Wahlentscheidungen zu bewerten oder Parteien Wahlempfehlungen auszusprechen. Entscheidend ist vielmehr die Frage, welche Signale das Wahlergebnis für die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen im Land sendet.
Nach der Nachwahlanalyse der Forschungsgruppe Wahlen ergibt sich für die Berufsgruppe der Selbstständigen folgendes Bild:
| Partei | Wahlentscheidung der Selbstständigen |
|---|---|
| AfD | 45 % |
| CDU | 20 % |
| GRÜNE | 12 % |
| Die Linke | 6 % |
| SPD | 5 % |
| BSW | 5 % |
| FDP | 3 % |
| Sonstige | ca. 4 % |
Die Werte stammen aus der Forschungsgruppe Wahlen und wurden vom ZDF veröffentlicht. Die Kategorie lautet ausdrücklich „Selbstständige“. Eine gesonderte statistische Auswertung für Freiberufler, Solo-Selbstständige oder Unternehmer mit Beschäftigten liegt derzeit nicht vor. Deshalb sollte aus den Daten nicht pauschal auf „die Unternehmer“ geschlossen werden.
Im Vergleich zum vorläufigen Landesergebnis fällt auf, dass AfD, CDU und Grüne bei Selbstständigen etwas stärker abschneiden als im Landesdurchschnitt. SPD und Linke erreichen diese Gruppe dagegen schwächer. Die FDP liegt auch unter Selbstständigen nur bei 3 %. Das amtliche Landesergebnis weist für die FDP 2,6 % aus.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen bleiben ein zentrales Thema
Über die konkreten Motive der selbstständigen Wählerinnen und Wähler sagt diese Statistik nichts aus. Es wäre deshalb nicht seriös, das Wahlverhalten unmittelbar auf Bürokratie, Steuerbelastung, Energiepreise oder einzelne politische Entscheidungen zurückzuführen.
Andere aktuelle Erhebungen zeigen jedoch, dass wirtschaftliche Themen im Land eine große Rolle spielen. In der Nachwahlbefragung der Forschungsgruppe Wahlen wurde die Wirtschaftslage mit 21 % als wichtigstes Problem Sachsen-Anhalts genannt, gefolgt von Schule und Bildung mit 17 %, Zuwanderung, Asyl und Integration mit 16 % sowie Infrastruktur beziehungsweise Ärztemangel und Arbeitsplätzen mit jeweils 14 %.
Auch die Unternehmensbefragungen der Industrie- und Handelskammern zeichnen seit längerem ein angespanntes Bild. Für 2026 bezeichneten 68 % der befragten Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Genannt werden insbesondere Bürokratie und Regulierung, hohe Arbeitskosten sowie Energie- und Rohstoffkosten. Die Investitionsbereitschaft bleibt niedrig. Noch im zweiten Quartal 2026 berichtete die IHK Halle-Dessau von einer anhaltenden Stagnationsphase und wieder deutlich pessimistischeren Geschäftserwartungen.
Für den BDS sind dies keine neuen Themen. Bürokratieabbau, eine leistungsfähige Verwaltung, Fachkräftesicherung, gute Infrastruktur, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und ausreichende unternehmerische Freiräume gehören seit Jahren zu den Schwerpunkten der Verbandsarbeit. Auch bei den Verbändedialogen vor der Landtagswahl standen Bildung, Fachkräfte, Bürokratieabbau und Standortentwicklung im Mittelpunkt.
Auffällig: wirtschaftsnahe Programmatik führt nicht automatisch zu Vertrauen
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das Ergebnis der FDP. Ihr Wahlprogramm setzte ausgesprochen deutlich auf wirtschaftspolitische Themen: Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungen, Digitalisierung der Verwaltung, bessere Gründungsbedingungen und stärkere private Investitionen gehörten zu den zentralen Forderungen. In mehreren Punkten bestehen deutliche Schnittmengen mit den wirtschaftspolitischen Zielen des BDS.
Trotzdem entschieden sich nach der Nachwahlbefragung nur 3 % der Selbstständigen für die FDP. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die entsprechenden wirtschaftspolitischen Forderungen von den Selbstständigen abgelehnt wurden. Wahlentscheidungen entstehen aus vielen Faktoren – beispielsweise aus Vertrauen in Parteien und Personen, bisherigen Regierungserfahrungen, bundespolitischen Entwicklungen, strategischen Überlegungen oder anderen politischen Themen.
Das Ergebnis stellt deshalb vielmehr eine offene Frage: Wie gelingt es Politik insgesamt, wirtschaftspolitische Konzepte nicht nur zu formulieren, sondern bei Selbstständigen und Unternehmern auch Vertrauen in deren tatsächliche Umsetzung zu schaffen?
Was der BDS aus dem Ergebnis ableitet
Aus Sicht des BDS sollte das Wahlergebnis Anlass sein, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Selbstständige, Freiberufler und mittelständische Unternehmen noch stärker in den Mittelpunkt der kommenden Legislaturperiode zu rücken. Entscheidend ist dabei nicht, welche Partei einzelne Forderungen erhebt, sondern ob am Ende konkrete Verbesserungen im Unternehmensalltag ankommen.
Der BDS wird deshalb auch nach der Wahl mit den politischen Akteuren im Gespräch bleiben. Maßstab bleiben nachvollziehbare und praktische Verbesserungen: weniger vermeidbare Bürokratie, schnellere Verwaltungs- und Genehmigungsprozesse, eine leistungsfähige Bildungs- und Fachkräftepolitik, verlässliche Infrastruktur sowie Rahmenbedingungen, die Investitionen und unternehmerische Initiative ermöglichen.
Das Wahlergebnis liefert dafür keine einfachen Antworten. Es liefert aber einen klaren Anlass, genauer hinzusehen und zuzuhören.
Was waren die Gründe für dieses Wahlverhalten der Selbstständigen?
Diese Frage sollte aus Sicht des BDS nicht vorschnell beantwortet, sondern mit den Selbstständigen selbst diskutiert werden.
Redaktioneller Quellenhinweis: Forschungsgruppe Wahlen/ZDF, vorläufiges amtliches Wahlergebnis Sachsen-Anhalt, IHK Halle-Dessau und IHK Magdeburg, Wahlprogramm FDP Sachsen-Anhalt sowie veröffentlichte Positionen des BDS Sachsen-Anhalt. Das endgültige amtliche Wahlergebnis steht noch aus.
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