
Der Jahreswechsel 2025/2026 bringt zahlreiche Neuerungen, die sich im Unternehmensalltag schnell bemerkbar machen:
Personalkosten steigen, Werbeaussagen werden strenger bewertet,
Verpackungs- und Nachweispflichten wachsen, Digitalprozesse müssen nachgezogen werden
– und bei Haftung, Reparatur und Widerruf steigen die Erwartungen an saubere Abläufe.
Kurz erklärt: Warum 2026 so „praktisch“ ist
2026 ist kein Jahr einer großen Reform. Es ist ein Jahr vieler einzelner Änderungen, die sich addieren:
mehr Kosten, mehr Nachweise, mehr Prozessanforderungen. Wer früh priorisiert, verhindert,
dass am Ende des Jahres aus „Kleinigkeiten“ teure Baustellen werden.
1) Personal & Kosten: 2026 beginnt in der Kalkulation
Mindestlohn: neue Basis für Preise und Stundensätze
Seit dem Jahreswechsel gilt ein Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde. Das wirkt nicht nur bei
Tätigkeiten am unteren Rand, sondern oft auch indirekt: Lohnabstände, Zuschläge, Stundenverrechnungssätze und
Personalplanung geraten unter Anpassungsdruck. Wer 2026 noch mit Kostengrundlagen aus 2025 kalkuliert, riskiert
sinkende Margen.
Typischer Fehler
Preise bleiben unverändert, weil „nur ein Teil“ betroffen scheint. In der Praxis steigen jedoch häufig auch
Kostenblöcke rundherum: Vertretung, Einarbeitung, Zuschläge, Dokumentation und Koordination.
Minijobs: neue Grenze, neue Stundenlogik
Die Minijob-Grenze liegt 2026 bei 603 Euro pro Monat. Durch die Kopplung an den Mindestlohn
werden Überschreitungen schneller relevant – insbesondere bei Stoßzeiten, Krankheitswellen oder saisonalen Spitzen.
- Für jeden Minijob sollte ein monatliches Stundenlimit mit Puffer definiert werden.
- Eine klare Zuständigkeit sollte festlegen, wer monatlich die Einhaltung prüft.
Kurzarbeitergeld: Sicherheitsinstrument bei Schwankungen
Für betroffene Branchen bleibt Kurzarbeit als Stabilitätsinstrument relevant: Die Bezugsdauer kann befristet
bis Ende 2026 wieder bis zu 24 Monate betragen. In schwachen Phasen kann das helfen,
Personal zu halten und späteren Wiederaufbau zu vermeiden.
Sofort-Check (15 Minuten): Personalkosten im Griff?
- Welche fünf Leistungen/Produkte sind am stärksten personalgetrieben?
- Wie viele Arbeitsstunden stecken realistisch darin?
- Passt der Deckungsbeitrag mit 2026er Personalkosten noch?
- Konsequenz festlegen: Preis anpassen, Prozess straffen oder Personalmodell neu planen.
2) Werbung und Kommunikation: Nachhaltigkeit muss belegbar werden
Greenwashing: „gut gemeint“ reicht künftig nicht mehr
Viele Unternehmen kommunizieren Umwelt- oder Nachhaltigkeitsaspekte über Website, Produkttexte, Social Media oder
Broschüren. Ab Herbst 2026 werden die Anforderungen deutlich strenger. Kerngedanke: Aussagen wie
„nachhaltig“, „umweltfreundlich“, „klimaneutral“, „plastikfrei“ oder ähnliche Formulierungen müssen
klar, überprüfbar und belegbar sein – und der Nachweis muss für Kunden leicht zugänglich sein
(z. B. per Link oder QR).
Warum das wichtig ist
Unsaubere oder vage Nachhaltigkeitsaussagen werden zunehmend zum Abmahn- und Reputationsrisiko. Das betrifft nicht
nur große Marken. Gerade kleinere Unternehmen veröffentlichen häufig Marketingtexte ohne juristische Prüfung –
und genau dort entstehen die klassischen Angriffsflächen.
Abmahn-Risiko vermeiden: der 60-Minuten-Claim-Check
- Alle Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen aus Website, Shop, Flyern, Angeboten und Social Media sammeln.
- Für jede Aussage klären:
- Worauf bezieht sie sich konkret (Produkt, Verpackung, Versand, Betrieb)?
- Welcher Nachweis liegt vor (Zertifikat, Lieferantenerklärung, Messdaten, Methodik)?
- Wo ist der Nachweis abgelegt und wer ist verantwortlich?
- Aussagen, die nicht belegbar sind, entweder präzisieren oder vorerst entfernen.
3) Verpackung: neue Pflichten, neue Nachweise, neue Risiken
Verpackungsrecht betrifft längst nicht nur Hersteller. Praktisch jedes Unternehmen, das Ware verpackt oder versendet,
kann betroffen sein. 2026 steigt der Druck in Richtung Registrierung, Nachweispflichten und Verbraucherinformationen.
Gleichzeitig werden Anforderungen an Recyclingfähigkeit und Quoten schrittweise verschärft.
Wer sollte besonders aufmerksam sein?
- Unternehmen mit Versand (Produkte, Ersatzteile, Proben, Abo-Ware)
- Onlinehandel und Plattformgeschäft
- Eigenmarken, individuelle Verpackungen, Branding-Verpackungen, Beileger
Praxisbox: Der 3-Fragen-Verpackungscheck
- Wird Ware verpackt und versendet?
- Werden Verpackungen unter eigener Marke oder mit Branding genutzt?
- Ist intern klar geregelt, wer für Registrierung, Nachweise und Dienstleister zuständig ist?
Wenn mindestens eine Frage mit „Ja“ beantwortet wird, gehört das Thema 2026 strukturiert auf die Agenda:
Verantwortlichkeit, Lieferantenklärung, Dokumentation.
4) Digitalisierung: E-Rechnung, Archivierung und Datenzugang
E-Rechnung: nicht „PDF“, sondern strukturierte Daten
Die Umstellung auf elektronische Rechnungsprozesse ist für viele Unternehmen ein Projekt, das 2026 vorbereitet
werden sollte. Wichtig: E-Rechnung bedeutet strukturierte, maschinenlesbare Rechnungsdaten – nicht nur ein PDF-Anhang.
Relevant sind vor allem Prozessfragen: Eingang, Prüfung, Freigabe, Zahlung, Archivierung und Schnittstellen zur
Steuerkanzlei oder Warenwirtschaft.
Typischer Fehler
„Wir schicken und empfangen PDFs, das reicht.“ In der Praxis scheitert es später an Freigaben, fehlender
Prozessdokumentation, Archivierung oder Schnittstellen – und das bremst die Liquidität.
Praxisbox: E-Rechnungs-Quickcheck (90 Minuten)
- Wie kommen Rechnungen heute ins Haus (E-Mail, Portal, System)?
- Wer prüft und gibt frei – und nach welchen Kriterien?
- Wo werden Belege revisionssicher abgelegt?
- Welche Schnittstelle nutzt die Steuerkanzlei?
- Ein Testlauf mit einem Lieferanten oder Kunden.
Data Act: mehr Zugriff auf Daten aus vernetzten Systemen
Viele Unternehmen arbeiten mit vernetzten Systemen (z. B. Kasse, Gebäudetechnik, Maschinen, Geräte mit App).
Der EU Data Act stärkt den Zugang zu solchen Daten. Das kann Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern reduzieren und
neue Auswertungs- oder Serviceansätze ermöglichen. Gleichzeitig sollten Verträge, Exportmöglichkeiten und Kostenmodelle
überprüft werden.
IT-Sicherheit: Pflichten steigen – Risiken ohnehin
Unabhängig von Spezialpflichten ist 2026 ein sinnvoller Zeitpunkt, die Grundlagen zu festigen:
Backup- und Wiederherstellung, Mehrfaktor-Authentifizierung, klare Zuständigkeiten im Notfall und die Absicherung
externer Dienstleister.
5) Haftung und Verbraucherrecht: mehr Verantwortung, mehr Servicefähigkeit
Produkthaftung: digitale Komponenten rücken stärker in den Fokus
Smarte Produkte, Software, Updates, digitale Funktionen und KI-Komponenten erhöhen die Anforderungen an Dokumentation,
Rückverfolgbarkeit und Hinweisprozesse. Je nach Geschäftsmodell betrifft das nicht nur Hersteller, sondern auch
Importeure, Händler, Plattformen oder Serviceketten.
- Produktgruppen mit digitalen Komponenten identifizieren
- Rückverfolgbarkeit (Seriennummer/Charge) und Dokumentation prüfen
- Versicherungsdeckungen (Produkthaftung/Erweiterungen) überprüfen
Recht auf Reparatur: Prozesse werden wichtiger
Reparatur- und Ersatzteilprozesse gewinnen an Bedeutung. Unternehmen, die Produkte vertreiben oder Service anbieten,
sollten Reparaturwege, Partner und Informationspflichten frühzeitig strukturieren.
Online-Widerruf: klare Prozesse entlasten den Kundenservice
Onlinehandel und online abgeschlossene Dienstleistungen benötigen klare, rechtssichere Widerrufsprozesse.
Ein sauberer Ablauf reduziert Rückabwicklungsrisiken, spart Kosten und verhindert unnötige Eskalationen im Support.
Fazit: 2026 ist beherrschbar – wenn richtig priorisiert wird
Die wichtigsten Stellschrauben für 2026 sind:
- Kosten realistisch kalkulieren (Mindestlohn, Minijob-Planung)
- Kommunikation absichern (Nachhaltigkeitsaussagen nur mit Belegen)
- Verpackung strukturiert angehen (Zuständigkeit, Nachweise, Prozesse)
- Digitalprozesse sauber aufsetzen (E-Rechnung, Archiv, Schnittstellen, Datenzugang)
- Haftung und Servicefähigkeit prüfen (digitale Produkte, Reparatur, Widerruf)
BDS-Tipp
Werden die Themen als „kleine Einzelpunkte“ abgelegt, wachsen sie im Jahr schnell zu großen Baustellen.
Erfolgreich sind Betriebe, die Zuständigkeiten festlegen, Checklisten nutzen
und zwei bis drei Prioritäten konsequent abarbeiten – statt alles gleichzeitig „irgendwann“ anzugehen.
Weiterführende Informationen
Für Detailfragen und die vollständige Übersicht eignen sich diese beiden Quellen:
- 2026 im Blick: Was sich für Unternehmen jetzt ändert – und was zu tun ist - 25. Januar 2026
- Neujahrsempfang 2026: Wirtschaft mit Weitblick - 19. Januar 2026
- Aktivrente darf Selbständige nicht ausschließen – BDS fordert steuerliche Gleichbehandlung - 27. November 2025


